Der Konsens

Maren Diehl • 12. Dezember 2021
Die Gebrauchshaltung im Trabe nach Hans von Heydebreck

Der Konsens (aktualisiert im Januar 2026)

Dieser Konsens geht auf die Gebrauchshaltungskonferenz 2018 in Klingenmünster zurück. Die vorliegende Neufassung dieses Textes stellt keine inhaltliche Abkehr von den Grundlagen der Gebrauchshaltung dar, sondern eine sprachliche und konzeptionelle Präzisierung auf Basis der seither gewonnenen praktischen Erfahrungen sowie physikalischer Klärungen. Ziel der Aktualisierung ist es, zentrale Begriffe, Kriterien und Zusammenhänge eindeutiger zu fassen und die Gebrauchshaltung klar von anderen Trainings- und Nutzungskonzepten abzugrenzen.

Die hier formulierten Kriterien beschreiben, was im Rahmen dieses Konsenses unter Gebrauchshaltung zu verstehen ist. Arbeitsweisen, Zielsetzungen oder Bewegungsbilder, die diese Kriterien nicht erfüllen, können für sich legitim sein, fallen jedoch nicht unter den Begriff Gebrauchshaltung. Diese Abgrenzung ist ausdrücklich gewollt und dient der fachlichen Klarheit sowie der Vergleichbarkeit von Beobachtung, Ausbildung und Ergebnis.

Die folgenden Punkte stellen keine Trainingsrezepte, sondern Beobachtungs- und Beurteilungskriterien dar. Sie dienen der Einordnung von Bewegungsqualität, Ausbildungsstand und Belastbarkeit und bilden den gemeinsamen Referenzrahmen für die Arbeit nach den Prinzipien der Gebrauchshaltung.

 
1. Biotensegrität

Biotensegrität beschreibt das grundlegende strukturelle Organisationsprinzip lebender Systeme.
Stabilität und Bewegung entstehen durch die dynamische Verteilung von Spannung und Kompression innerhalb eines kontinuierlichen Spannungsnetzwerks.

Die klassische, auf Hebeln, Drehpunkten und muskulär erzeugter Schubkraft basierende biomechanische Erklärung ist für die Beschreibung realer Anatomie in Bewegungsabläufen unzureichend. Gelenke sind anatomisch als weitgehend kompressionsfreie Umlenkstellen für Zugkräfte innerhalb eines globalen Spannungszusammenhangs konzipiert.

Bewegung entsteht in einem strukturell gut organisierten System durch die Nutzung äußerer Kräfte (Schwerkraft, Bodenreaktionskräfte). Muskelarbeit dient dabei der Spannungsregulierung, der Koordination sowie der räumlichen und zeitlichen Organisation, nicht der primären Krafterzeugung.

2. Bewegungssystem und Lernen (vorher: Der Faszienkörper)

Das myofasziale System bildet die primäre strukturelle Grundlage des Bewegungsapparates.
Knochen, Muskeln, Faszien und Nerven sind dabei nicht getrennt zu betrachten, sondern als funktionell gekoppeltes Bewegungssystem.

Diese Struktur definiert, welche Bewegungen möglich, stabil und belastbar sind. Gleichzeitig wird sie durch die wiederholte Nutzung über Zeit geformt .

Motorisches Lernen findet primär systemisch statt, nicht kognitiv. Bewegungsmuster verändern sich durch sensorische Rückmeldung, Wiederholung und Erfahrung – häufig in unbewussten Anpassungsprozessen. Unangenehme oder schmerzhafte Rückmeldungen wirken dabei als hochrelevante Grenzsignale und führen zur Anpassung von Tonus, Timing und Bewegungsorganisation.

Bewegungslernen ist eine emergente Eigenschaft des gesamten Bewegungssystems in der Interaktion mit Umwelt und Belastung.

3. Kriterien der Gebrauchshaltung

Die folgenden Kriterien dienen der Beurteilung von Bewegungsqualität, Ausbildungsstand und der Nützlichkeit von Übungen für das Pferd.

a) Reiner Gang
Eine klare, takt­reine Fußung in jeder Gangart ist ein zentrales Kriterium für funktionale Bewegung in jedem Ausbildungsstadium. Abweichungen können im Lernprozess auftreten, sind jedoch im Ergebnis dessen, was als erstrebenswert gezeigt wird, nicht akzeptabel. Anhaltende Taktfehler weisen auf strukturelle und funktionelle Probleme hin.
b) Fesselstand und Timing
Der Fesselstand verändert sich sowohl im Bewegungsablauf als auch abhängig von Belastung, Timing und Bewegungsorganisation. Asymmetrien im diagonalen Beinpaar während der Stützbeinphase im Trab sind Ausdruck systemischer, nicht lokaler Probleme.
c) Linie Hüfte – CTÜ – Maul
Die Linie vom Hüfthöcker über den cervikothorakalen Übergang (CTÜ) bis zum Maul stellt ein beobachtbares Merkmal funktionaler Organisation dar. Im Verlauf der Ausbildung entwickelt sich diese Linie von leicht abfallend über waagrecht hin zu gegebenenfalls leicht aufsteigend. Die waagerechte Linie markiert die erreichte Gebrauchshaltung.
    Ein deutlich von dieser Linie abweichender CTÜ ist im Ergebnis dessen, was als funktional und erstrebenswert gezeigt wird, ein Ausschlusskriterium. Der CTÜ ist kein aktiv einzustellendes Element, sondern seine Position das Ergebnis der Gesamtorganisation des Körpers.
    Anmerkung: Das Merkmal “Hüfte” bezieht sich (nach Betrachtung der sehr differenzierten Heydebreckschen Zeichnungen) auf den Hüfthöcker, nicht auf das Hüftgelenk.
d) Genick
Das Genick ist grundsätzlich und ausnahmslos der höchste Punkt des Pferdes und die Stirnlinie deutlich vor der Senkrechten. Andere Positionen sind möglich und begründbar, aber nicht kompatibel mit den Prinzipien der Arbeit in Gebrauchshaltung.  

 e) Horizontaler Zug ans Gebiss
Der vom Pferd ausgehende, stete horizontale Zug an das Gebiss ist eine funktionale Grundvoraussetzung für die Selbstorganisation des Körpers im Sinne der Gebrauchshaltung.
    Er ermöglicht die effiziente Nutzung der Schwerkraft und der Bodenreaktionskräfte und schafft die strukturellen Voraussetzungen für die Reversion dysfunktionaler Bewegungsmuster.

 

 4. Lumbosakralgelenk (LSG)

 
Das Lumbosakralgelenk nimmt eine zentrale Rolle in der Bewegungsorganisation ein.
Ein dauerhaft unter Last geöffnetes LSG ist mit pathogenen Bewegungsmustern verbunden und beeinträchtigt die strukturelle Stabilität und Funktionalität des gesamten Systems .
Für jedes Pferd existiert eine individuelle neutrale Stellung des LSG, aus der heraus Kräfte effizient integriert und genutzt werden können.

Der passive Stehapparat ist auf diese neutrale Organisation angewiesen, die physiologische Haltung zeigt sich in vier senkrechten Röhrbeinen.

Bewegung entsteht primär durch die Interaktion mit den Bodenreaktionskräften in der Mitte der Stützbeinphase und die Wirkung der Schwerkraft. Die Streckung der Hintergliedmaßen erfolgt überwiegend passiv, zeitlich nach der hauptsächlichen Kraftübertragung.

Eine funktionale Organisation des LSG ermöglicht es dem System, äußere Kräfte effizient zu nutzen und über das gesamte Spannungsnetzwerk zu integrieren.

5. Atmung

 
Die Atmung ist ein integraler Bestandteil der Bewegungsorganisation und auf diese angewiesen.
Sie ist an die systemische Aufspannung und Lastintegration des Körpers gekoppelt und funktioniert nur in einem strukturell kohärenten, bewegten System zuverlässig.

Funktionelle Fehlleistungen wie ein unter Last geöffnetes Lumbosakralgelenk und die sich daraus  ergebende kompensatorische Haltung und Bewegung wirken sich unmittelbar auf die Atemdynamik aus.

6. Relative Hankenbeugung

 
Hankenbeugung ist dem Pferd situativ jederzeit verfügbar und entsteht aus der elastischen Aufladung und Entladung des Systems. Sie ist weder dauerhaft anzustrebender Zustand noch Selbstzweck.

In funktionalen Bewegungsabläufen erreicht die Kruppe ihren tiefsten Punkt im Bewegungszyklus  in der Mitte der Stützbeinphase. Die physiologische Beugung der großen Gelenke der Hinterhand unter Last findet jederzeit statt, ohne spektakuläre Ausprägung.

Verstärkte Hankenbeugung dient der momentanen Anpassung von Kraftrichtung und -dosierung an eine herausfordernde Bewegungssituation. Sie ist eine Fertigkeit und kein Zustand. Je größer das Beugungspotenzial, desto flexibler ist das System in seiner Reaktionsfähigkeit.

7. Pathogene Muster

 
Ein Anheben der Kruppe in der Mitte der Stützbeinphase im Trab, verbunden mit einem geöffneten LSG, ist ein Zeichen eines pathologisches Bewegungsmusters. Gleiches gilt für Vorderbeine, die im Trab länger am Boden verweilen als das jeweils diagonale Hinterbein.

8. Hufe

 
Die Sohlen der Hornkapsel sind das funktionale Interface für die Interaktion mit dem Untergrund und damit wesentlich für funktionelle Bewegungsorganisation.
Die Vorderhufe eines Gebrauchspferdes sollten flacher sein als die Hinterhufe. Zu hohe Trachten und untergeschobene Trachten sind ebenso zu vermeiden wie zu hohe Zehen. Als ungefähre Orientierung können 45°-47° Zehenwandwinkel für die Vorderhufe gelten und 50°-55° Zehenwandwinkel für die Hinterhufe.

9. Relatives Optimum

 
Das relative Optimum beschreibt die beste Version seiner selbst, die ein Pferd zu einem bestimmten Zeitpunkt unter gegebenen Bedingungen erreichen kann. Vergleiche sollten möglichst zwischen relativen Optima erfolgen, nicht zwischen zufälligen Momentaufnahmen. Verschlechtert sich das relative Optimum in Bezug auf die oben genannten Kriterien, ist entweder der eingeschlagene Weg ungeeignet oder das angestrebte Ziel nicht passend. 

 

Nachwort 

 
Die vorliegende Fassung wurde von mir, Maren Diehl, als Mitveranstalterin und  der Gebrauchshaltungskonferenz 2018 und Autorin der ursprünglichen Konsensformulierung auf Grundlage der seither gewonnenen Erkenntnisse überarbeitet. Die Änderungen erfolgen in meiner fachlichen Verantwortung.

Die Neufassung versteht sich als inhaltliche Präzisierung und Weiterentwicklung. Da mir für diese aktualisierte Fassung keine erneute Zustimmung der damaligen Referentinnen und Teilnehmenden vorliegt, handelt es sich formal nicht mehr um den ursprünglichen gemeinsam verabschiedeten Konsens.  
 


 

Der Konsens  

in der Originalversion von 2018


Hier der damals mit ca 50 Teilnehmenden erwirkte Konsens (vor allem für die, die ihn gesucht und nicht mehr gefunden haben):


Die verschiedenen Punkte, zu denen wir im Rahmen der Gebrauchshaltungskonferenz in Klingenmünster 2018 Einigkeit erzielen wollten, haben wir, die Gruppe der Referentinnen, im Vorfeld ausführlich diskutiert und besprochen. Die interne Einigkeit war für uns die Voraussetzung für die Zusammenarbeit im Rahmen der Konferenz und hat bereits viele unserer Gespräche wieder auf den Punkt gebracht, wenn wir uns in Einzelheiten zu verlieren drohten.


Die Einigkeit in grundlegenden Dingen ist Voraussetzung für eine konstruktive Auseinandersetzung auch im Dissens. Wer z.B. Biotensegrität für neumodischen Blödsinn hält oder Faszien als Einzelteile betrachtet, dem erschließen sich viele völlig logische Zusammenhänge nicht. Es ist daher auch für eure eigene Arbeit wichtig, in grundlegenden Fragen gegenüber Kunden, Patienten, Schülern, Kolleginnen und auch euch selbst Klarheit zu schaffen.


Die folgenden Punkte wurden während der Konferenz erläutert, am Ende der Konferenz den TeilnehmerInnen vorgestellt und ohne Widerspruch akzeptiert: 


1 Biotensegrität


Gültigkeit der Biotensegrität als allem Leben zugrundeliegende Struktur und Bauweise, als innewohnende Idee im platonischen Sinne, als Prämisse für weiterführende Annahmen, als Alternative zum auf Hebelwirkungen basierenden Erklärungsmodell der orthodoxen Biomechanik, als physiologische Reaktionsweise auf die Umwelt, als Bewegungsidee und Behandlungsgrundlage. 


Die vormals als Gelenke verstandenen Verbindungen zweier Druckelemente dienen vielmehr der Umlenkung der Kraft der Zugelemente. Hebel und Scherkräfte verlieren ihre Bedeutung. 


 Quellen: www.biotensegrity.com von Stephen Levin, das Buch „Basic Structure of Life“ von Graham Scarr, „Living Biotensegrity“ von Danièle-Claude Martin, „Jenseits der Biomechanik – Biotensegrity“ von mir. 


2 Der Faszienkörper


ist - unter anderem - ein Bewegungs- und Problemlösungsorgan, in dem alles mit allem verbunden ist und zudem das Netz, das von den Knochen aufgespannt wird und das gleichzeitig für „Spaciousness“ sorgt, für Raum *zwischen* den Knochen. Er ist ein lernfähiges, sich fortwährend selbst organisierendes und optimierendes Organ.


 3. Kriterien für die Gebrauchshaltung


zur Beurteilung des Ausbildungsstandes von Pferden sowie von Übungen und deren Nützlichkeit fürs Pferd:


 a) Reiner Gang = Eine klare Fußung in jeder Gangart ist eines der übergeordneten Ausbildungsziele und Hauptkriterium für die Beurteilung der Korrektheit der Ausbildung. Abweichungen sind möglich während des Trainings außerhalb der Komfortzone. Im Ergebnis, in der Vorführung dessen, was erstrebenswert ist, sind Taktfehler ein Ausschlusskriterium.


 b) Der Fesselstand und das Timing in der Bewegungsrichtung des Fesselkopfes verändern sich kurzfristig durch Veränderung in der Belastung, durch die Verschiebung der Bewegungsphasen und langfristig durch Training. Ein unterschiedlicher Fesselstand im diagonalen Beinpaar in der Stützbeinphase im Trab weist auf Taktverschiebungen hin. 


c) Die Linie Hüfte – CTÜ – Maul, wie von Hans von Heydebreck in seiner Schrift „Das Gebrauchspferd“ beschrieben, stellt ein zu beobachtendes Merkmal dar, das sich im Laufe der Ausbildung von abfallend über waagrecht hin zu evtl. aufsteigend entwickeln sollte, wobei mit der waagerechten Linie die Gebrauchshaltung erreicht ist. Im Ergebnis, in der Vorführung dessen, was erstrebenswert ist, ist ein von der geraden Linie Hüfte-Maul deutlich abweichender CTÜ ein Ausschlusskriterium.


4. LSG-These: 


Ein dauerhaft unter Last geöffnetes LSG ist pathogen / führt zu pathogenen Bewegungsmustern. Es gibt für jedes Pferd eine neutrale, stabile Stellung des LSG. Der passive Stehapparat ist auf ein neutral geschlossenes LSG angewiesen. Hankenbeugung und aktive Öffnung des LSG schließen sich gegenseitig aus. 


Für eine tensegrale Aufspannung des gesamten Körpers ist ein frei aus der Neutralnullstellung heraus bewegtes Becken Grundvoraussetzung. Nur eine effektive Stemm-/Entladungsphase bei Streckung der  Gliedmaßengelenke der Hinterhand und des Lumbosakralgelenks ermöglicht die Übertragung der Kraft auf das gesamte Muskel- Fasziennetzwerk.


5 Atmung


Die Atmung ist bei Mensch und Pferd an die Schubkraft gebunden, da das Zwerchfell zum tiefliegenden, rumpfstabilisierendem Muskelsystem gehört und nur in einem aktiven System aus Aufspannung und Bewegung funktionieren kann.


6. Relative Hankenbeugung 


ist etwas das dem Pferd situativ jederzeit zur Verfügung steht und entsteht durch Aufladung und Entladung der tensegralen Strukturen. Das Becken bleibt während der Stützbeinphase im Trab auf gleicher Höhe. Die Beugung der großen Gelenke der Hinterhand unter Last findet in gesunden Bewegungsabläufen in unspektakulärem Umfang jeder Zeit statt!


Die Hankenbeugung ermöglicht es dem Pferd, Energie zu speichern und sie kontrolliert (Menge und Richtung) wieder abzugeben. Aus Sicht des Pferdes ist ausgeprägte Hankenbeugung nur sinnvoll, wenn die Bewegungssituation sie zur Problemlösung erfordert. Also in Übergängen jeder Art.


Hankenbeugung ist die Einstellungsmöglichkeit für die Kraftrichtung. Je höher das Beugungspotenzial, um so größer die Flexibilität in Bezug auf Richtung und Kraftausdruck.


Hankenbeugung als Selbstzweck ist abzulehnen.


7. Keine Hankenbeugung


Das Heben der Kruppe in der Mitte der Stützbeinphase im Trab, verbunden mit einem geöffneten LSG, stellt ein pathogenes Bewegungsmuster dar.


8. Relatives Optimum


Das relative Optimum ist die beste Version seiner selbst, die ein Pferd zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter bestimmten Bedingungen sein kann. 


Bildvergleiche sollten immer Vergleiche zwischen Bildern des relativen Optimums zu verschiedenen Zeitpunkten und unter definierten Bedingungen stattfinden.


Wenn sich das relative Optimum mit Blick auf die oben genannten Kriterien auf dem Weg zum gewählten Ideal verschlechtert, ist entweder der Weg unpassend oder das gewählte Ziel.



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Wo liegt eigentlich euer Fokus, wenn ihr mit eurem Pferd zusammen seid oder mit einem Klientenpferd? Wie sieht euer Weg mit diesem Pferd aus? 

Habt ihr ein Bild davon, wie euer Pferd oder dieses Klientenpferd als starkes, gesundes und belastbares Pferd aussehen würde? Habt ihr eine Vorstellung von den Potenzialen eures Pferdes? Wisst ihr, was es leisten könnte und wollte? 

Ein sehr großer Teil der Pferde, die ich sehe, ist dauerhaft in Behandlung oder Reha, kaum belastbar, und es haben sich ganze Ausbildungssysteme für kleinschrittige Bewegungsoptimierung entwickelt. Diese werden inzwischen leider auch auf die Ausbildung junger Pferde angewandt, die als erstes lernen müssen, so zu laufen wie das kaputte Rehapferd, das keinen Schritt neben der Spur machen darf. 

Ein kleiner Teil der Reiter und Pferde hat das Zeug für den großen Sport, wobei die meisten dieser Pferde ihr Niveau nur durch intensive Betreuung und Behandlung eine Zeit lang halten können. Das sind also nicht zwangsläufig die belastbarsten Pferde, sondern eher die besttherapierten. 

Bei den ehrgeizigen Reiter*innen kommt es darauf an, korrekte Hilfen zu geben, die vom Pferd ebenso korrekt befolgt werden müsse. Die Ausbildungsskala beginnt mit Seitengängen und der hohen Schule... Die meisten von ihnen bleiben irgendwann stecken, es geht nicht weiter, der Gaul will nicht mehr und wird krank. Womit diese Gruppe eine große Schnittmenge mit den anderen beiden Gruppen aufweist. 

Es gibt sicher noch viele weitere Gruppen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie diese Schnittmengen mit den oben genannten haben. 

Eine sehr eigene Gruppe mit wenigen Schnittmengen ist die der gesunden und belastbaren Pferde. Anstatt nun weiter die Abstrusitäten zu betrachten, schauen wir doch einfach mal, wodurch sich diese Gruppe auszeichnet: 

Diese Pferde bewegen sich viel im Gelände, auf unterschiedlichen Untergründen und können sich in allen Gangarten bergauf und bergab bewegen. Sie stolpern selten, haben eine gute und unempfindlich Sattellage und tragen ihre Reiter*innen sicher. Sie sind in der Lage, Geländehindernisse wie Gräben und Baumstämme, Bäche und Hänge zu überwinden. Notfalls kommen sie auch auf dem Reitplatz klar... 

Diese Pferde sind ausdauernd, belastbar, meistens recht zuverlässig, unternehmungsfreudig und vor allem selten krank. Sie sind irgendwie normal. 

Es ist ein Trugschluss, dass die Pferde das können, weil sie gesund sind. Sie sind gesund, weil sie das können und weil sie ihren eigenen Aufgabenbereich haben. 

Es gibt einen gangbaren Weg dorthin.