Update zur Hufbearbeitung

Maren Diehl • 17. Januar 2026
Der vollständige Huf

 In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit verschiedenen Ansätzen der Hufbearbeitung beschäftigt. Dazu gehörte auch die Auseinandersetzung mit der Arbeit von Dr. Hiltrud Strasser. In ihren Büchern habe ich eine Beschreibung des gesunden Pferdehufes gefunden, der sehr kompatibel ist mit dem biotensegralen Erklärungsmodell und den Anforderungen, die die Gebrauchshaltungsarbeit an die Hufe stellt.

In meinen Kursen ist mir aufgefallen, dass viele Pferde mit den Hufen, die sie hatten, Dinge, die sie zunächst gut fanden, nicht auf Dauer leisten konnten. Also habe ich angefangen, Vorschläge für die Hufbearbeitung zu machen, in der Hoffnung auf Umsetzung durch Hufbearbeiter:innen und Schmied:innen.

Dann hatte ich das Glück, eine Hufbearbeiterin als Mentorin zu haben, die vor 25 Jahren bei Frau Dr. Strasser die Ausbildung gemacht hatte. Ihr habe ich meine Bearbeitungsvorschläge geschickt, und meistens waren wir einer Meinung.

Da vor allem die Bearbeitungen durch engagierte Pferdebesitzer:innen sehr erfolgreich waren, habe ich hier bei mir zweimal einen Kurs zur Tothufbearbeitung mit einem Ausbilder nach Strasser organisiert. Die Kurse waren gut und hilfreich.

Leider wurde dann ein Pferd, das zuvor zumindest einigermaßen gelaufen ist, durch invasive professionelle Bearbeitung der Hufwand in einem Zustand dauerhafter Lahmheit gehalten. Und plötzlich gab es immer mehr Pferde, die nicht mehr oder schlechter liefen, weil die Zehenwand von verschiedenen Profis durch professionelle Bearbeitung “nach Strasser” zu stark bearbeitet wurde.

So ging es dann flugs zurück zum Selbermachen, und siehe da, die Pferde liefen wieder.

Da viele Pferdebesitzer:innen sich an meinen Einschätzungen orientieren, möchte ich an dieser Stelle ein klares Update meiner Position geben.

Was ich weiterhin ausdrücklich befürworte
Was mich an den ursprünglichen Arbeiten von Frau Dr. Strasser überzeugt hat – und weiterhin überzeugt – ist nicht eine bestimmte Bearbeitungstechnik, sondern die Beschreibung eines gesunden Hufes und seiner Funktion:

  • ein Huf, der physiologische Bewegungsmuster ermöglicht
  • ein Huf, der Last effizient aufnimmt und weiterleitet
  • ein Huf, der langfristige Belastbarkeit erlaubt

Insbesondere die Idee eines annähernd bodenparallelen Hufbeins hat sich für mich als schlüssig erwiesen, seit ich verstanden habe, wie sich das Hufbein unter Be- und Entlastung tatsächlich verhält. Dieses Konzept ist hoch kompatibel mit einem biotensegralen Verständnis von Bewegung und Lastverteilung.

In der Praxis zeigt sich das sehr klar:
Pferde mit funktionell gesunden Hufen bewegen sich schmerzfrei, effizient, mit Schwung und Freude, auch über weite Strecken und auch über harte Böden. Das ist für mich das entscheidende Kriterium.


Wovon ich mich heute deutlich abgrenze
Gleichzeitig grenze ich mich klar von großen Teilen dessen ab, was aktuell unter dem Label „Strasser-Hufbearbeitung“ praktiziert wird – auch dann, wenn die Schulen heute anders heißen. Was ich in den letzten Jahren mehrfach beobachtet habe, ist eine  Bearbeitung ohne Verständnis für physiologische Bewegung, bei der:

  • die Hufwand, besonders im Zehenbereich, von außen massiv bearbeitet wird
  • der Hufmechanismus maximiert statt optimiert wird
  • kurz- und langfristige Verschlechterungen des Gangbilds bagatellisiert werden
  • die tatsächliche Reaktion des Pferdes kaum eine Rolle spielt

Aussagen wie „der geht jetzt halt ein paar Tage klamm, das wird schon“ halte ich für nicht vertretbar. Eine Hufbearbeitung, nach der Pferde deutlich schlechter laufen als zuvor, ist für mich kein akzeptabler Zwischenschritt, sondern ein klares Warnsignal.

Meine heutige Empfehlung
Wenn ich heute eine Empfehlung aussprechen soll, dann diese: 

  • Ziel ist ein annähernd bodenparalleles Hufbein (ca. 0° bis +2°)
  • der Huf behält eine vollständige Zehe
  • keine extreme Mustang Roll,
  • keine aggressive Wandbearbeitung von außen 
  • Trachten müssen ausreichend gekürzt werden
  • Eckstreben nicht im Bodenkontakt
  • Tragrand parallel zur äußeren Sohlenkante 0-2mm
  • die Bearbeitung muss sich am Pferd orientieren, nicht am Idealbild

Oder ganz praktisch gesagt: Pferde müssen nach der Bearbeitung gut laufen – nicht erst irgendwann, sondern im Hier und Jetzt.

Warum ich das schreibe
Ich schreibe diesen Text, weil ich weiß, dass ich in der Vergangenheit positiv auf die Arbeit von Frau Dr. Strasser verwiesen habe – und zwar im Sinne ihrer Erklärungen, nicht im Sinne jeder späteren praktischen Umsetzung.
Da ich nicht mit allen Menschen ständig in Kontakt stehe, die das von mir einmal gehört oder gelesen haben, halte ich es für fair und notwendig, meine Position an dieser Stelle klar zu aktualisieren. Die Entscheidung liegt am Ende immer bei den Pferdebesitzer:innen. Aber meine Verantwortung sehe ich darin, klar zu benennen, was sich aus meiner Erfahrung bewährt hat – und was nicht.


Im Übrigen empfehle ich, Hufwinkel und -breite und -länge regelmäßig zu messen, um die Entwicklungdes Hufes nachvollziehen zu können. 


Die deutlichste Antwort geben am Ende nicht Theorien oder Bilder, sondern die Pferde selbst:
Sie laufen. Sie laufen gut. Sie laufen freudig. Und sie laufen lange.

 
 

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