Die Pferde sind nicht das Problem Gebrauchshaltungskonferenz 13
© Maren Diehl 2016
Thema: Atmung und Atmungsproblematiken im Kontext von „Schubblockierungen“ Maike Knifka Neetzer Straße 1 21401 Thomasburg info@maikeknifka.de Juli 2017 These: Die erschreckend häufig (nur ungefähr jedes sechste meiner Befundpferd ist unauffällig) vorgefundene stark schubbehinderte Hinterhand, verursacht hauptsächlich durch in Flexion fixierten LSÜ, steht in direktem Zusammenhang mit dem Atmungskomplex. Atmungsproblematiken pathologisch manifestierter Art (RAO etc.), mit vielfältigen Folgen für den gesamten Körper, können durch eine „schubblockierte Hinterhand“ entstehen. Kreislauf: Schubübertragung/ -entwicklung nicht möglich durch offenen LSÜ/ untergestellte Hintergliedmaßen/ Fehlpositionierung HG, dadurch Atmungsblockierung (s. unten „Anatomisches“) mit Überlastung der BWS und Einschränkung der Tragfähigkeit. Belüftung und vollständige physiologische Abläufe der Atmung finden nicht mehr statt, Sekret sammelt sich, entzündliche Prozesse etc.. Stresspegel steigt durch verminderte Atmung, Sympathikusaktivierung und körperliche Überlastung. Innervierung Zwerchfell: Peripher Halssegmente C5-C7 (CTÜ!!!) und zentral Medula oblongata (Genick!!!). Häufiges Bild: Aufgequollenes Gewebe, Pressatmung, abgesenkte BWS, hypertrophe Bemuskelung der Vordergliedmaßen, Huffehlstellungen in Folge untergestellter Hintergliedmaßen und rückständiger Vordergliedmaßen, LSÜ in Flexion, kurztrittig hinten/ kein Schub, antriebslos, schlecht zu biegen, schlecht zu sitzen (Aussage Pferdebesitzer), ABER: häufig schreckhaft und aufbrausend, „widersetzlich“ (da sehe ich den Zusammenhang Atmung/ Stress/ Adrenalin/ Sympathikus) Anatomisches: Im Verlauf der tiefen Frontallinie geht die bei dieser Läsion dauerhaft kontrahierte Iliopsoas-Muskulatur (insbesondere m. psoas major) in die kräftigen Pfeiler des respiratorischen Diaphragmas über und überträgt somit Spannung auf das eigentliche Zwerchfellsegel mit Folge einer Fixierung in Inspiration. Die BWS gerät hierbei in Extensionstellung (mögliche Initiierung oder Verstärkung einer „Trageerschöpfung“, Überlastung Vordergliedmaßen etc.) und ist in Lateralflexion eingeschränkt. Therapeutisches: In Bezug auf knöcherne Strukturen ist das Becken des Pferdes als sehr präsenter Ankerungspunkt („Hauptbahnhof“) fast aller myofaszialer Ketten der Dreh- und Angelpunkt. Ohne den Versuch einer unnötigen Separierung vornehmen zu wollen, sehe ich dennoch bezüglich einer zentral bedeutsamen (und stiefmütterlich behandelten) Weichgewebestruktur die m. intercostales: Durch ihre direkten myofaszialen Verbindungen (zur schrägen Bauchmuskulatur, faszia thoracolumbalis, m. erector spinae, diaphragma thoracale usw.), ihren gitternetzartigen Aufbau und letztendlich auch durch ihre enorme Größe sehe ich sie im Mittelpunkt der manuellen Behandlung auf körperlicher und mentaler Ebene (Stress etc.). Die Detonisierung der m. intercostales bewirken über ihre Verbindungen häufig ein (mitunter unmittelbares) Entspannen der Iliopsoas-Gruppe und Schließung des offenen LSÜ. (...) Training: Mehr Schub durch mehr Aufforderung zur Schubentfaltung und freie Bewegung (Stichwort Stoppelfeld, Freiheit für den Pferdehals, angemessene Nutzung der Lunge etc.) kann häufig viele Probleme lösen. Zusätzlich denke ich jedoch, dass häufig der Ausbildungspunkt „Koordination“ vernachlässigt wird. Hierbei sehe ich vor allem die Belastungsvorliebe für eine Vordergliedmaße mit Entwicklung einer Kraftdiagonalen als zentrales Thema. „Beidhändig“ werden durch „auf beiden Händen laufen“ reicht meiner Erfahrung nach hierbei nicht aus, da die Komponente des motorischen Lernens auf der Kreislinie fehlt. Bezüglich der lateralen Balance und der als Ersatzhandlung verstärkten Vorhandlastigkeit sehe ich im Verlauf vor allem der Spirallinie die ungleichmässig entwickelte und ungleich verspannte Muskulatur der Schulterblattanheftung im Vordergrund (wäre wieder ein Link zur Therapie), oft in Kombination mit drehenden Hintergliedmaßen. Häufiges Bild/ Befund: Rechte, mehrbelastete Schultergliedmaße mit starken Verspannungen der Anheftung (m. serratus v.th.), fest verspannte schräge Bauchmuskulatur/ Intercostalräume/ blockierte Atmung, auffällig nach außen drehende linke Hintergliedmaße (Verlauf Spirallinie!). Verschiebung der Bewegungsphasen, Überlastungen in Stützbeinphasen/ zu lange Stützbeinphasen (auch) als Ausdruck von mangelnder Koordination. Folge => Stress, festgehaltene Atmung, etc. und Beginn des oben beschriebenen Kreislaufs anders herum: Verstärkung Schiefe und Vorhandlastigkeit, BWS in Extension, Gegenbewegung LWS in Flexion mit unphysiologisch genutzer Beckengürtelmuskulatur und geöffnetem LSÜ. Für den Pferdebesitzer (Stichwortsammlung): Eigene Atmung! Innere Bilder, Ängste vor dem Bewegungspotential des eigenen Pferdes; ausserdem Anleitung zur Beobachtung der Atmung des eigenen Pferdes. Diskussion/ Offenes zusätzlich: -welche Auswirkung auf Balance, Geraderichten etc.hat die Tatsache, dass der rechte Zwerchfellpfeiler des Pferdes bedeutend größer ausgebildet ist, als der Linke? -ich beobachte deutlich häufiger einen LSÜ in Flexion mit aufgewölbter LWS, einschl. scharfen Einziehungen im TLÜ Zeichnung Spannungsverläufe/ Kompensationen ... noch ausbaufähig ;-) ______________________________________________________________________________________